JuppsLetters

Jupp Suttner


Chefredakteur von Reise-Stories.de, ist seit 1968 Reise- und Sportjournalist und besuchte nicht nur zahllose Hotels, Wintersport-Orte und Golfplätze rund um die Welt, sondern berichtete auch von insgesamt 21 Olympischen Sommer- und Winterspielen. Er schreibt hauptsächlich für SkiMAGAZIN, SKI Exclusiv, Golf Week und die Münchner Abendzeitung. Gewann zwei Mal den Fairplay-Preis des deutschen Sportjournalismus sowie etliche andere Medien-Preise. Sieben Bücher, darunter „Rosi“ (Mittermaier), „Franzi“ (van Almsick) und „Wasi“ (Wasmeier). Der leidenschaftliche Skifahrer und Golfer lebt als gebürtiger Münchner in den bayerischen Voralpen. - In seinen regelmäßig erscheinenden JuppsLetter für 1000 Meinungsbildner berichtet er über Sport, Kultur und Touristik - diesmal...

JUPPLetter vom 20. Mai 2025


HEUTE HÄTTE DIDI GEBURTSTAG

 

Es sind zwar noch drei Monate hin – doch das Turnier ist dennoch bereits ausgebucht. Die 4. Dieter Praun Trophy 2025 von 18. bis 20. August im Golfclub Würzburg über 54 Löcher. Das Event in Erinnerung an einen Mann, den ich euch gleich näher schildern werde, ist zugleich die German PGA Seniors Championship. Das heißt:

 

Wer sich auf die bereits existierende Warteliste zu den Teilnehmern aus fast einem Dutzend Nationen setzen lassen möchte, muss PGA Profi sein.


Und falls ihr nur den Amateur-Status besitzt?


Dann trotzdem das Turnier (Eintritt frei) besuchen – denn die Silverstars bieten fabelhaftes Golf! Und ihr könnt euch – falls bereits über 28 und sich somit dem Seniorenalter nähernd - eine ganze Menge abschauen. Allein die Psycho-Spiele beim Driving Range-Einschlagen!


Und für alle unter 28?


Darf der Turnierbesuch als geradezu MUSS betrachtet werden – denn er bietet euch Youngsters einen Ausblick darauf, wie positiv das Leben über 60 aussehen kann.


Didi Praun freilich wurde nur 57 – Staphylokokken-Keime, gegen die sich ein Antibiotika nach dem anderen als resistent erwies, was zu einem multiplen Organversagen führte, raffte den Weltenbummler im Herbst vor vier Jahren, am 7. November 2021, auf der im Indischen Ozean gelegenen Insel Mayotte dahin. Und heute, am 20. Mai, werden viele Verwandte, Freunde und Fans sich seiner erinnern, denn heute würde er wieder mal Geburtstag feiern. Solltet ihr gerade auf irgendeinem Golfplatz von einem Stück Torte von oben getroffen werden – das ist dann ein Gruß von Didi.


Und vermutlich hat er die Stücke mit dem Driver per Erde geschickt – denn Golf wird auch nach dem Leben sein Leben sein. Wobei zusätzlich die Frage auftaucht: Kann man im Himmel nicht nur ein Golfer, sondern auch ein Weltenbummler sein, wie Didi einer war? Und: Was bedeutet dann die „Welt“ dort oben? Eine Reise von Stern zu Stern, bei etwas mehr Zeit auch in diese oder jene oder andere Galaxie?

Dieter Praun

Foto-Copyright: Hella Schoepe-Praun

Dieter Praun verbrachte seine Kindheit in Djakarta, Genf und Berlin, legte das Abitur in Tunesien ab und blieb sein Leben lang ein wie gesagt Weltenbummler - als Golflehrer: Thailand,  La Réunion, Madagaskar (wo er auch mit einer neuen Rasen-Sorte Aufsehen erregte), Mayotte (wo er eine Golf in der Schule-Initiative auf die Beine stellte) lauteten einige Stationen - und natürlich Mauritius, wo er zum Resort Manager avancierte und als  Initiator der Mauritius European Tour Open im Bella Mare Plage in die insulare Sporthistorie einging.


Begonnen hatte die Kleinekugelleidenschaft bereits mit 21, als er beim berühmten John O’Flynn in St. Eurach eine Golflehrer-Ausbildung begann und abschloss – und dem oberbayerischen Landclub dann mehr als 20 Jahre lang als Pro erhalten blieb.


Was bei vielen Golf-Freaks in Deutschland vielleicht gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen wäre – wenn er nicht zusätzlich auch Videos und Stories zum Thema produziert sowie gemeinsam mit seiner Schwester Hella Bücher der Golflehr-Stars David Leadbetter und Bob Rotella ins Deutsche übersetzt hätte. Und wenn er nicht auch noch jahrelang Golf-Kommentator bei Eurosport gewesen wäre – als der Sender noch Live-Rechte für diese Sportspielart besaß. Gernot Bauer, einst Head of Sports bei Eurosport und inzwischen Leiter der ran-Sportredaktion, twitterte nach Didis Tod:


"Direkt, witzig, unkonventionell, herzlich - so war er als Kollege und auch on air. Danke, dass Du mich zum Golfen gebracht hast und so vielen den Sport nähergebracht hast."


Das hat er tatsächlich vielen. Und alle werden sich nicht nur an seinem heutigen Ehrentag an ihn mit einem feinen Lächeln für einen feinen Menschen an ihn erinnern. Sondern auch an seinen wichtigsten Ratschlag sowohl beim Golfen als auch für das Leben:

„Everything starts with the first step.“


Auch wenn es irgendwann einmal mit dem last step endet.

 

www.remembering-didi.de

www.pga.de/turnierdetailseite/dieter-praun-trophy-die-offizielle-pga-seniors-championship-2025



Dazu Leserbrief im nächsten JuppsLetter

Danke Jupp - für die Geschichte über Didi. Er hat zu Anfangsjahren der BMW International Open dieses Turnier großartig unterstützt. Ohne Geld...

KJW


JuppLetter / Mai 2026


JUPPLetter vom 7. Juli 2026


EBERHARD STANJEK & MANFRED VORDERWÜLBECKE - ERINNERUNG AN ZWEI TOTE LEGENDEN


20 Minuten machten einen deutschen Sportreporter weltberühmt. Zumindest in der Fußball- und Medien-Welt.
20 Minuten, in denen er was sagte?
Nichts.
Gar nichts.
Und zwar live.
Ununterbrochen – nichts.
Der damals 48jährige Eberhard Stanjek hatte einfach die Schnauze voll. Von dieser offensichtlichen Absprache zwischen den Teams aus Deutschland und Österreich, die sich bei der WM 1982 nur noch den Ball im Mittelfeld zuschoben, um ja nicht das Ergebnis von 1:0 für die DFB-Elf zu gefährden. Stehfußball der zynischsten Sorte.
Denn dieses 1:0 reichte beiden für das Weiterkommen – wohingegen Algerien ausscheiden würde.
Der unsportliche Nichtangriffspakt ging als „Schande von Gijon“ in die Kick-Geschichte ein. Und Stanjek hätte gerne darauf verzichtet, mit ausgerechnet dieser Übertragung und der darob hinreißend gebotenen Art, sein Fremdschäm-Gefühl auszudrücken, auch außerhalb der Bundesrepublik Berühmtheit erlangt zu haben.
Und vielleicht hegte Stanjek in seinem Himmelsstudio – er verstarb heute vor 25 Jahren, am 7. Juli 2001 – letzte Woche ja eine ähnliche Befürchtung für die Vorrunden-Partie Österreich-Algerien, bei welcher beiden ein Remis reichte, um ins 1/16.-Finale aufzusteigen.(Es endete 2:2.)
Vielleicht aber auch hat er es sich gar nicht angesehen von oben, sondern ist stattdessen lieber Golfen gegangen im Paradise Country Club. Denn das Spiel mit der kleinen Kugel verband ihn mit dem ZDF- Mann Harry Valerien. Und bildete seine zweite Leidenschaft nach jener, Fernsehmann zu sein. Wobei er in diesem Fall beides verband: Stanjek - seit 1977 Leiter der BR-Sportredaktion - brachte einerseits als Erster Golfübertragungen in das Bayerische Fernsehen. Und schlug, pitchte und puttete auch selbst voller Lust und dazugehörigem Leiden.
Heute also sein 25. Todestag.
Falls ihr – weil vor 25 Jahren noch gar nicht geboren – Näheres über Eberhard Stanjek wissen wollt, dann seien folgende Links empfohlen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Stanjek
https://www.welt.de/print-welt/article462189/Trauer-um-Eberhard- Stanjek.html
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/nachruf- kompetent-nie-kumpel-811495.html


Und ganz besonders ans Herz legen möchte ich euch ein Studiogespräch, das Moderator Rudi Michel mit Robert Seeger und Eberhard Stanjek (dem österreichischen und dem deutschen Kommentator des eingangs erwähnten Skandal-Matches D-Ö in Gijon 1982) führte. Ein Fußball-Medien-Geschichtsdokument!
Bittesehr:


https://www.youtube.com/watch?v=Yzhpy0hLQaI


„Zu seiner Beerdigung“, so Zeitzeugin Hella Schoepe-Praun, „kamen Franz Beckenbauer und eine Unmenge anderer prominente Menschen. Sie fand direkt vor dem alljährlichen Kaiser-Cup- Wochenende statt - und viele fuhren direkt vom Friedhof weiter nach Bad Griesbach, wo sie dann abends noch mal auf Eberhard tanjek angestoßen haben.“ Falls ihr jedoch heute Eberhard Stanjeks Grab auf dem Münchner Westfriedhof besuchen möchtet – vergeblich: Es ist aufgelöst.

Vermutlich von deutschen Nationalspielern des Gijon-Spieles 1982...